Therapie
Aderlasstherapie
Ziel der Aderlasstherapie ist, die Körpereisenspeicher
zu entleeren bzw. auf gesundes Maß zu reduzieren. Die
Aderlasstherapie ist eine sehr wirksame und verträgliche
Therapie gegen Eisenüberladung. Bei jedem Aderlass à
500 ml werden 200 bis 250 mg Eisen entfernt.
Warum hilft Blutverlust gegen Eisenüberladung?
Hämochromatose ist keine Erkrankung des Blutes, da das
überschüssige Eisen nicht im Blut sondern in den Organen
abgelagert wird. Die Aderlasstherapie wirkt trotzdem:
Jeder Organismus benötigt für die Neubildung von Blut
Eisen. Der häufige Blutverlust via Aderlass zwingt den
Körper, für die Blutneubildung auf die in den Organen
gespeicherten Eisenreserven zurückzugreifen. So können
die Körpereisenspeicher zuverlässig entleert werden.
Aderlasstherapie-intensive Phase
Menge und Häufigkeit
- Die Aderlässe werden meist in Wochenabstand mit individuell
angepasster Aderlassmenge (meist 500 ml) durchgeführt.
Die ungefähre Faustregel für die Aderlassmenge ist 5-7
ml/kg Körpergewicht. Für eine zierliche Frau kann die
übliche wöchentliche Entnahme von 500ml wöchentlich
bereits zu viel sein.
Zielbereich und Dauer
- Die intensive Aderlassphase wird so lange fortgesetzt,
bis die Körpereisenspeicher entleert sind und das Ferritin
<50 ng/ml gesunken ist. Manche Ärzte empfehlen <20
ng/ml.
- Die Dauer der intensiven Phase hängt vom Grad der
Eisenüberladung und vom Gesundheitszustand ab. Sie kann
bei fortgeschritter Hämochromatose bis zu einem Jahr
oder auch länger betragen.
Verträglichkeit
- Die Aderlasstherapie ist im allgemeinen gut verträglich.
Müdigkeit und Kreislaufschwäche mit Schwindel können
auftreten, dann kann die jeweilige Aderlassmenge bzw.
Häufigkeit individuell anpasst werden. Wichtig ist,
dass der Hämoglobinwert während der Therapie nie zu
stark absinkt.
Erhaltungsaderlässe
Nach der intensiven Phase erhalten regelmäßige Aderlässe
in größeren zeitlichen Intervallen die Eisenbalance. Der
Ferritinwert sollte immer zwischen 20- 50 ng/ml liegen.
Meist genügen ca. 4-12 Aderlässe pro Jahr. Die Erhaltungsaderlässe
müssen lebenslang durchgeführt werden.
Medikamente gegen Eisenüberladung
Eisenchelatbildner
Nur wenn Aderlässe aus gesundheitlichen Gründen nicht
möglich sind (Anämie, z.B. bei sekundärer Hämochromatose,
oder Herzinsuffizienz), kommen als weitaus schlechtere
Alternative Eisenchelatbildner zum Einsatz. Neu unter
diesen eisenbindenden Medikamenten ist ein oraler Eisenchelator,
der für viele Betroffene von sekundärer Hämochromatose
dank Wegfall komplizierter Infusionstherapie die Therapie
einfacher macht.
Therapie der Hämochromatose-Arthropathie
Viele Betroffene von Hämochromatose haben eine
Gelenkbeteiligung. Hier helfen
- Medikamente, meist in Form von cortisonfreien Entzündungshemmern.
- gelenkschonende regelmäßige Bewegung evtl. unter fachlicher
Anleitung
- Physiotherapie
- gesunde Ernährung
- Schmerztherapie falls erforderlich
Verlauf und Prognose
Was passiert, wenn die Eisenüberladung unerkannt
oder unbehandelt bleibt?
Es kann sich ungehindert immer weiter Eisen ansammeln.
Bestehende Krankheitszeichen verstärken sich oder Symptome
treten erstmals auf. Folgeerkrankungen können zum Tode
führen.
Bessern sich die Hämochromatose-Symptome unter der
Aderlasstherapie?