Bedeutung: Was ist Hämochromatose?
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Die erbliche Hämochromatose wird auch Eisenspeicherkrankheit
genannt. Einer von 200-400 Menschen in Mitteleuropa
hat aufgrund eines Gendefekts im Hämochromatosegen
HFE die genetische Veranlagung, im Laufe des Lebens
zu erkranken. 5-10% der Bevölkerung sind symptomfreie
Träger. Hämochromatose ist damit hierzulande die zweithäufigste
erbliche Lebererkrankung.
Bei der HFE-assoziierten erblichen Hämochromatose
nimmt der Organismus von Geburt an ständig zuviel
Eisen aus der Nahrung auf. Das überschüssige Eisen
kann nicht ausreichend ausgeschieden werden und lagert
sich in den Organen ab. Die fortschreitende Eisenüberladung
führt ab dem mittleren Lebensalter zu Schäden an Leber,
Herz, Bauchspeicheldrüse, Hirnanhangsdrüse und Gelenken,
wenn das überschüssige Eisen nicht rechtzeitig durch
Aderlässe entzogen wird. Setzt die Aderlasstherapie
vor Auftreten von irreparablen Organschäden ein,
ist die Lebenserwartung normal.
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Vorab zum Eisen: Warum ist ein Übermaß an Eisen überhaupt
schädlich?
Das Gesamtkörpereisen beträgt normalerweise 3-5 g bzw.
45-60 mg/kg Körpergewicht und befindet sich hauptsächlich
als Funktionseisen im Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff.
Das restliche Eisen wird z.B. in der Leber eingespeichert
oder für andere Prozesse benutzt. Eisen ist ein lebensnotwendiges
Spurenelement und wichtig für Sauerstofftransport und Energie-Stoffwechsel.
Eisen ist andererseits auch potentiell toxisches Schwermetall.
Eisen in freier, ungebundener Form ist giftig, wirkt als
"freie Radikale" und verursacht Gewebeschäden. Daher wird
Eisen im Organismus immer möglichst in gebundener Form transportiert
oder eingespeichert.
Bei Hämochromatose wird viel mehr Eisen aufgenommen, als
der Körper braucht. Mit dem wachsenden Überangebot an Eisen
kommt der Organismus irgendwann nicht mehr zurecht, da -
bildlich gesprochen - die Eisenspeicher und Eisentransporter
bereits übervoll beladen sind. Der menschliche Körper ist
für übermäßige Eisenaufnahme nicht gebaut: Es gibt keinen
Regulationsmechanismus, um im Körper befindliches überschüssiges
Eisen ausreichend auszuscheiden. Da der Organismus das sich
immer weiter ansammelnde überschüssige Eisen mangels Speicher-und
Transportkapazitäten irgendwann nicht mehr richtig kontrollieren
kann, schädigt unkontrolliertes, freies Eisen das Gewebe
von Organen. Hieraus entwickeln sich die Krankheitssymptome.
Was ist die Ursache für Hämochromatose? Wie kommt es
zu übermäßiger Eisenanspeicherung?
Hämochromatose beruht in den meisten Fällen auf einem Defekt
im Hämochromatosegen HFE. Dies führt dazu, dass aufgrund
des Gendefektes von Geburt an zuviel Nahrungseisen aus dem
Dünndarm aufgenommen wird.
Warum wird zuviel Eisen aufgenommen?
Eisenaufnahme (durch die Nahrung) und Eisenverlust (abgestorbene
Zellen, Schweiß, Urin, Blut) halten sich normalerweise die
Waage. Der Körper nimmt nur so viel Eisen auf, wie er braucht.
Neuerdings gehen die Forscher davon aus, dass das Enzym
Hepcidin hierbei die regulierende Schlüsselrolle spielt.
Es wird in der Leber gebildet und sorgt für Balance zwischen
Angebot und Nachfrage: Es hemmt die Eisenaufnahme, wenn
bereits genug Eisen für den Körper verfügbar ist. Bei Hämochromatose
ist diese Regulation von Geburt an gestört. Die Leber bildet
aufgrund des Defektes im HFE-Gen nicht genug "Eisenhemmstoff"
Hepcidin. Daher ist die Eisenaufnahme ständig um das Zwei-Dreifache
erhöht. Mangels Ausscheidungsmechanismus und potentiell
zellschädigender Wirkung von Eisen kommt es zur fortschreitenden
Eisenüberladung und Krankheitssymptomen.
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